Entstehung

Die ersten Ideen zur Gründung unseres Referates kamen bereits 2001 im Zuge des sog. Pisa-Schocks auf. Der erste Antrag dazu an das Studierendenparlament der WWU lautete: „Bildung für alle! Antrag auf Einrichtung einer Initiativstelle für Studierende mit bildungsferner und einkommensschwacher Herkunft“ Es war ein Antrag auf eine halbjährliche Projektstelle, mit der dann Strukturen geschaffen werden sollten. Begründet wurde der Antrag mit der in der 16. Sozialerhebung dokumentierten Bildungsbenachteiligung von Arbeiterkindern. Diese Projektstelle sollte kurzfristig mehrere Ziele verfolgen.

Öffentlichkeitsarbeit: es soll eine Vortragsreihe stattfinden, an deren Ende ein Reader erstellt wird; Broschüren von Fachschaften und AStA könnten gesondert auf die Problematik eingehen; Podiumsdiskussionen mit VertreterInnen der Parteien sowie mit VertreterInnen des DSW, DGB, Uni, AStA und Landesregierung; Zusammentragung von Fachliteraturr.

Betroffenenarbeit: ein regelmäßiges wöchentliches oder 14tägiges Treffen welches die Möglichkeit gebe, sich über Probleme auszutauschen; Gründung einer politischen Arbeitsgruppe; Ansprechpartner im AStA sein.

Vernetzung: mit den Anti-Diskriminierungsreferaten im AStA um Gespräche der Mehrfachunterdrückung zu führen; mit dem AStA der Fachhochschule; mit anderen ASten bzw. Studierendenvertretungen; mit Initiativen, die sich gegen soziale Benachteiligung zur Wehr setzen; mit LehrerInnen und SchülerInnenvertretungen; Etablierung eines Runden Tisches.

Druck machen: es soll praktisch und mit Nachdruck gearbeitet werden; Beteiligung an den aktuellen Kämpfen gegen Studiengebühren und die marktwirtschaftliche Orientierung der Hochschulen.“

Der Antrag wurde abgelehnt, aber als Antragsteller und Initiator konnte Andreas Kemper jedoch eine halbe Stelle als Sozialpolitikreferent übernehmen, in der er an den obigen Inhalten arbeiten konnte. Im April 2002 führte er mit Unterstützung der Uni, der Heinrich-Böll-Stiftung, der BDWI und dem fzs die Tagung „Bildung für alle!? Race, Class, Gender und der Bildungserfolg“ durch.

Im AStA von 2002 wurde das Referat für Sozialpolitik in zwei Schwerpunkte gesplittet: „Wohnen und Essen“ und „Arbeiterkinder“.Mit dieser halben Stelle konnte Andreas Kemper nun eine Vollversammlung vorbereiten. Hierfür hatte er zusätzlich den „Arbeitskreis Soziale Selektion“ gegründet, der bis zum Frühjahr 2003 bestand hatte. Unter anderem wurde dann im Semesterspiegel (342), vom Juni 2003, in einem Artikel dann konkret ein „Zusammenschluss von ‚Arbeiterkindern'“ an der Uni gefordert.

 

Die Gründung

Zur Vorbereitung der ersten Vollversammlung startete die Sektion „Arbeiterkinder“ des Sozialpolitikreferats dann eine Kampagne, unter anderem wurde im Mai 2003 ein Reader veröffentlicht, der auf den damals zweimal wöchentlich stattfindenden Büchertischen in den Mensen und Aulen der Uni verteilt wurde.

Am 3.7.2003 fand dann die Vollversammlung mit 80 Studierenden statt. Dreiviertel der Abstimmungsberechtigten votierten für die Einrichtung einer autonomen Selbstvertretung, einstimmig wurde zudem beschlossen, jährlich eine Vollversammlung von Arbeiterinnenkindern durchzuführen.

Ende Juni wurden während einer weiteren Vollversammlung die ersten zwei Referent*innen gewählt (Steffanie und Andreas) und der Name „Referat für finanziell und kulturell* benachteitligte Studierende“ festgelegt. Somit wurde das fikuS-Referat offiziell am 1. Januar 2004 gegründet.

* diese bezeichnung ist auf den Soziologen Pierre Bourdieu zurückzuführen. mehr dazu erfährst du hier.

 

Kampf um die Autonomie

Die AStA-tragenden Hochschulgruppen haben seinerzeit das Referat  nur „auf Probe“ eingerichtet. Dieser vorläufige Zustand, wurde bis 2012 beibehalten. Erst 2012 wurde das Fikus-Referat in die Satzung des Studierendenparlamentes aufgenommen. Zunächst gab es vom Studierendenparlament eine einstimmige Zustimmung.

Doch das Rektorat akzeptierte diese Satzungsänderung zunächst nicht. Erst nachdem über die Landesregierung und die Medien, u.a. mit diesem TAZ-artikel, der Druck auf das Rektorat erhöht wurde, zeigte sich das Rektorat diskussionsbereit. In einer weiteren Sitzung wurde dann mit einer Zweidrittelmehrheit das Referat in die Satzung verankert, was dann vom Rektorat akzeptiert wurde.