In kritischer Solidarität

 Vor kurzem hat der AStA der Ruhr Uni Bochum eine Resolution zur Abschaffung der Latinumspflicht für Lehramtsstudierende erlassen. Die Resolution hat bereits breite Unterstützung durch verschiedene ASten erfahren.

Das Referat für finanziell- und kulturell benachteiligte Studierende am AStA der WWU Münster schließt sich der Resolution in kritischer Solidarität an.

Warum überhaupt? Und warum kritisch?

Wir halten die Abschaffung von Bildungshürden für ein wichtiges bildungspolitisches Ziel. Insbesondere die Latinumspflicht in verschiedenen Studiengängen führt zu verschärfter Selektion. Wer das Latinum nicht in der Schule absolviert hat muss es an der Uni unter erschwerten Bedingungen nachholen. Es ist jedoch so, dass nicht alle Studierende von dieser Hürde gleich betroffen sind. Studierende aus einem Nichtakademischen Background sind von diesem Problem häufiger betroffen, da bei ihnen kein Elternhaus bereits in der Schule auf die Wichtigkeit von Latein für das Studium hingewiesen hat. Dies führt dazu, dass an der Latinumshürde mehr Studierende aus Arbeiterfamilien scheitern als andere Studierende.

Damit man uns nicht falsch versteht: Wir wollen keinesfalls für Bildungshürden eintreten die auch die “anderen” Studierenden gleich betreffen. Es ist uns aber ein Anliegen darauf hinzuweisen, dass diese spezielle Hürde zu einer Diskriminierung von studierenden Arbeiterkindern führt.

Daher begrüßen wir jede politische Bewegung die diese Hürde abschaffen will.

Kritisch stehen wir der Resolution jedoch gegenüber da sie lediglich darauf hinweißt, dass Latein letzlich für den Studiengang nicht gebraucht wird und daher keine sachliche Rechtfertigung für die Latinumspflicht besteht. Insoweit ist die Resolution “apolitisch”. Wir wollen nicht betreiten, dass die Fakten und Erwägungen in der Resolution stimmen. Auch wir sehen es so, dass sich die Latinumspflicht tatsächlich nicht aus einer Notwendigkeit für Latein in diesem Studium ergibt. Wir halten es aber für notwendig auf den diskriminierenden Charakter dieser Bildungshürde hinzuweisen. Wir sind daher der Ansicht, dass eine Politik gegen eine solche Hürde sich daher gegen die in ihr bestehenden Dikriminierung richten muss und nicht bei “technischen” Erwägungen stehen bleiben darf.

Wir hoffen daher, dass die Initiatoren und Unterstützer der Resolution auch unseren Kampf gegen die Diskriminierung von Arbeiterkindern an der Uni in ihrem Kampf gegen die Latinumspflicht mit unterstützen!