Stellungnahme des Referats für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende zur Rektoratsentscheidung

Es „… entscheidet in kaum einem anderen Industriestaat die sozio-
ökonomische Herkunft so sehr über den Schulerfolg und die Bildungschancen wie  in Deutschland.” schreibt das CDU geleitete Bundesministerium für Bildung und  Forschung auf seiner Internetpräsenz.
Was selbst konservativen Politikern offenkundig ist, scheint für die Uni Münster ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. Einstimmig stimmte das Studentenparlament(StuPa) für eine Aufnahme des FikuS Referates (Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende am AStA der WWU) als vollautonomes Referat in die Satzung der Studierendenschaft.
Der(bundesweit einzigen) Selbstvertretung von Arbeiterkindern welche sich für  die Belange studierender Arbeiterkinder einsetzt, sollte hiermit derselbe
Status wie andere Anti-Diskriminierungsreferate zuerkannt werden.
Doch hatte das StuPa seine Rechnung ohne die Verwaltung der Uni Münster
gemacht. Dieser ist scheinbar nicht bekannt, dass es gravierende Probleme bei
dem Zugang zu Bildungschancen für Arbeiterkinder gibt.

Mit der lapidaren Begründung, man wisse ja gar nicht, was man sich bei dieser Gruppe vorzustellen  habe, lehnte die Uni Münster den Antrag des StuPa ab. Das nicht nur das Bundesministerium für Bildung und Forschung, namenhafte Soziologen, sondern auch ein einfacher Blick in die Welt dieser Aussage Hohn sprechen scheint die Rektorin der Universität, Frau Prof. Dr. Nelles, bislang nicht zu stören. Doch wird Frau Nelles sich fragen lassen müssen, ob der autoritäre Eingriff in die studentische Selbstverwaltung reiner Unkenntnis oder vielleicht doch eher einem politischen Unwillen bzw. Willkür geschuldet ist.
Der Fikus Referent meint hierzu:
“Seit Pisa im Jahr 2000 ist es offenkundig, es kommt in keinem anderen
Industrieland zu einer solch starken sozialen Selektion wie in Deutschland. Erst kürzlich offenbarte der nationale Bildungsbericht 2012, dass sich diese Schieflage in keinster Weise verbessert hat. Lediglich 13% derjenigen, deren Eltern maximal einen Hauptschulabschluss haben, schafften es an die Uni. Auch die Uni-Münster muss sich für Arbeiterkinder öffnen!”
Auch Fikus Referent Richard Dietrich zeigt sich empört:
„Die Entscheidung des Rektorats wurde über die Köpfe der studierenden
Selbstvertretung von Arbeiterkindern hinweg gefällt. Das Fikus-Referat und
seine Basis, welche sich einstimmig für eine Anerkennung aussprach, ist sehr
enttäuscht über eine solch undemokratische und diskriminierende Entscheidung. Dies ist ein eklatantes Beispiel dafür, wie viel Arbeit noch vor uns liegt um Arbeiterkinder in der Gesellschaft vollkommen zu emanzipieren.“
Ob also Unkenntnis oder Unwillen, wir fordern Frau Nelles auf, uns ihre
Entscheidung an einem runden Tisch zu erklären und sich unseren Forderungen zu stellen. Denn für uns ist klar:
Wir wissen, dass Arbeiterkinder in dieser Gesellschaft Arbeiter werden sollen.
Wir haben keinen Zweifel daran, dass die Hürden die Arbeiterkinder auf dem Weg zu Studium in den Weg gelegt werden kein Zufall sind. Und schon gar keinen Zweifel haben wir in der Frage ob es “uns” überhaupt gibt!
Daher sind wir auch nicht bereit stillzuhalten und uns mit formaljuristischen
Vorwände abspeisen zu lassen.