[PM] #unten … über die gesellschaftliche Verantwortung einer Bildungsinstitution

 

Aktuell haben sich online, zumeist auf Twitter, aber auch in den konventionellen Medien, Tausende betroffene Menschen zu Wort gemeldet. Sie berichten unter dem Hashtag #unten über Ihre Erfahrungen mit Armut, Benachteiligung, Ausgrenzung und Diskriminierung aufgrund des sozialen Status bzw. der sozialen Herkunft.

Bei all den Tweets und Zeitungsartikeln bleiben auch das Bildungssystem und die Hochschule nicht unerwähnt. Das Studium ist eben nicht nur irgendeine Phase im Leben, sondern für viele auch eine der prägendsten. Darüber hinaus ist die Universität für viele Menschen Arbeitgeber*in und wichtiger Teil des Alltags.

Wir halten die Hochschule für eine wichtige gesellschaftliche Institution, die mitten in der Gesellschaft steht und in ihr agiert. Sie muss sich neben den klassischen Bereichen von Studium und Lehre noch mehr als verantwortungsvolle Institution inmitten der Gesellschaft verstehen. Sie darf nicht länger zu wichtigen Themen wie Bildungsungleichheit und Bildungsbenachteiligung schweigen.

Jan Brühl, autonomer Referent für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende sagt dazu: “Allein wenn man sich die Homepage der WWU ansieht, merkt man schon, was Sache ist. Die Universität spricht das Thema Arbeiter*innen|kinder im Studium an keiner Stelle an und das, obwohl die Benachteiligung von Kindern aus Nicht‐Akademiker‐Haushalten bereits seit über 60 Jahren bekannt ist. Wir fordern die Universität Münster auf, sich nicht länger im Elfenbeinturm zu verkriechen. Oder gar sich als Unternehmen zu verstehen”.

Der AStA der Uni Münster ist da schon wesentlich weiter. Bereits vor über 10 Jahren bekamen dort studierende Arbeiter*innen|kinder, im Rahmen eines autonomen Referats, einen eigenen Freiraum um sich und ihre Interessen selber zu vertreten.

Anna Holeck aus dem AStA‐Vorsitz sagt dazu: “Obwohl das Problem der Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit seit vielen Jahren bekannt ist, ist es immer noch aktuell. Die Zahlen belegen eindeutig, dass der Anteil von Arbeiter*innenkinder an der Uni sehr gering ist. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.”

Es wird Zeit, dass die Uni Münster sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellt. Es müssen Ressourcen, Mitarbeiter*innen und Kapazitäten bereitgestellt werden, um die eigene Rolle als Bildungsinstitution in der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen, und um im Dialog mit betroffenen, Lösungs‐ und Veränderungsvorschläge auf den Weg zu bringen.

Wenn die Uni Münster dieser Aufgabe ebenso viel Aufmerksamkeit wie der Exzellenzinitiative widmen würde, wäre schon viel gewonnen.

 

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